Hermann Scherer

Die Samurai sagen, man braucht für jede Entscheidung maximal sieben Atemzüge. Warum tun wir uns mit Entscheidungen dann so schwer? Letztlich gibt es doch nur zwei Arten von Entscheidungen: die einen fallen sowieso leicht, weil die Vorteile der einen Alternative so augenfällig sind und die Nachteile der anderen Alternative bei Weitem überwiegen. Sofort und gern und mit Entschlossenheit treffen wir darum eine Entscheidung und rücken auch nicht mehr davon ab. Was uns zu schaffen macht, ist die eigene Unentschlossenheit, wenn wir über ähnliche Alternativen grübeln, die gleichwertig sind oder uns vielleicht auch keine überzeugt. Dann glauben wir, gar nicht entscheiden zu können, unabhängig davon, wie überzeugend Alternative A oder Alternative B auch sein mag. Doch gerade dann, in solch scheinbar ausweglosen Situationen, dann sollten wir uns umso leichter tun, beherzt eine Entscheidung zu treffen. Denn die schlechteste Entscheidung ist immer die, keine Entscheidung zu treffen und nichts zu tun.
Am meisten beeindruckte mich bei all den Geschichten der „Ersten Nacht der Entscheidung“ die Geschwindigkeit und Klarheit, mit der die Protagonisten entschieden – scheinbar in sogar weniger als sieben Atemzügen. Eine Entschlossenheit, die manchem Wirtschaftsunternehmen, manchem Politiker dieser Tage fehlt. Wir brauchen eben solche Geschichten, die uns aus der Lethargie wachrütteln. Menschen, die uns an die Kreuzungen des Lebens begleiten, bis ganz an den Rand des Zehn-Meter-Bretts, damit wir den Sprung endlich wagen. 
 
Als Johanna und ich zusammensaßen und über die Idee einer „Nacht der Entscheidung“ sinnierten, war es zunächst eine gedankliche Spielerei, nicht mehr als ein Funke, der dann auch wieder verflog. Doch sollte man Johanna in ihrer Erfahrung und ihrem Potenzial nicht unterschätzen. Sie ahnte wohl, dass das Format funktionieren würde. Und auch das gehört dazu: Die guten Entscheidungen sind die, bei denen man sich die Frage, ob eine Entscheidung gut ausgeht, im Moment der Entscheidung nicht stellt. Johanna ist ihrer Intuition gefolgt und hat etwas Größeres geschaffen als eine Rednernacht. Sie hat Vorbilder, Entscheider zusammengebracht. Und das ist von bleibendem Wert.
 
Mit allen guten Wünschen,
Hermann Scherer